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Stoppt das Sprottenwerfen

Der arbeitlose Fischersohn Ole T. (19) nimmt Anlauf, holt aus und wirft - man hört einen leisen spitzen Schrei, dann einen dumpfen Aufschlag. Dies wiederholt sich noch einige Male an diesem Tag.

Ich bin zu Gast auf der kleinen Insel ‘Sprotykväjn’ vor der Ostküste Schwedens. Seit jeher war der Sprottenfang die Haupteinnahmequelle der Insulaner. Über die Jahrhunderte hat sich nebenbei ein Volksfest im Spätsommer etabliert: Das Sprottenwerfen. Ein archaisches Spektakel, bei dem die Inselbewohner gegeneinander antreten und versuchen, eine lebende Sprotte so weit sie können zu werfen.

Dies dient laut Aussage der Sprotykväjner dazu den Göttern für ein gutes Fangjahr zu danken, oder - falls das Jahr nicht gut und die Netze leer waren - sie zu beschwichtigen, auf dass sie ihnen im nächsten Jahr wohlgesonnener sind. So werden - während die empörte Weltgemeinschaft ihren erhobenen Zeigefinger in Eintracht gen Pamplona schwenkt - in ‘Sprotykväjn’ Jahr für Jahr hunderte Sprotten einem gewaltsamen Tod zugeführt.

Ich spreche mit Ole T., der den diesjährigen Wettkampf mit einer Weite von 32,7m für sich entscheiden konnte, über das zweifelhafte Vergnügen ‘Sprottenwerfen’:

Herschel: Hallo Ole, erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg.
Ole: Vielen Dank.
Herschel: Ole, hast du jemals darüber nachgedacht, ob es vielleicht grausam ist, lebende Sprotten dürch die Luft zu werfen?
Ole: Nein, ich bin einfach damit aufgewachsen. Schon meine Vorväter haben Sprotten geworfen, um für ein gutes Jahr zu danken. Außerdem ist es auch nicht grausamer, als sie einzumehlen, aufzuspießen und zu backen, oder in Öl einzulegen ud in Dosen zu quetschen.
Herschel: Nun ja, darüber kann man geteilter Meinung sein. Gibst du insgeheim vielleicht den Sprotten die Schuld für deine Arbeitslosigkeit?
Ole: Nein, überhaupt nicht. Das eine hat doch mit dem anderen überhaupt nichts zu tun.
Herschel: Aber vielleicht die Schuld daran, dass deine Mutter deinen Vater und die Insel verlassen hat, als du noch ein kleiner Junge warst, und sich nie mehr gemeldet hat?
Ole: Nein, die Sprotten können da nichts für.
Herschel: Aber du fühlst dich besser und befreit, wenn du eine Sprotte mal so richtig weit werfen konntest?
Ole: Aber natürlich, […]

Ich möchte es bei diesem Auszug belassen. Er verdeutlicht sehr schön, wie tief der Hass sitzt bei den Sprotykväjnern. Dieses von Abwanderung und Arbeitslosigkeit gebeutelte Inselvölkchen wird das grausame Treiben auch weiter pflegen. Und wer kann es ihnen verübeln, stellt das Sprottenwerfen doch den einzigen Lichtpunkt in einem grauen, desillusionierendem Jahr dar.

Es ist deshalb Sache der Regierung, den Sprotykväjnern wieder Perspektiven zu bieten, und gleichtzeitig hart gegen das Sprottenwerfen vorzugehen. Bisher allerdings wird das Problem in Stockholm totgeschwiegen. Ich rufe deshalb die Aktion “Stoppt das Sprottenwerfen” ins Leben. Wer daran teilnehmen und den Sprotten helfen möchte, kann sich untenstehenden Quelltext in seinen Blog copy&pasten, und seinerseits ein Zeichen gegen Sprottenquälerei setzen.

sprottenwerfen

CODE:

<a href='http://www.phase-5.net/aus-dem-leben/stoppt-das-sprottenwerfen' title='sprottenwerfen'><img src='http://www.phase-5.net/wp-content/uploads/2007/08/sprottenwerfen.jpg' alt='sprottenwerfen' /></a>

Ich bitte jeden diese Aktion zu unterstützen. Wenn wir genug sind, schaffen wir es die schwedische Regierung dazu zu bewegen, gegen dieses überkommene Opferritual vorzugehen. Auch Sprotten haben Rechte!

Geschrieben am 18. August 2007 von Herschel, abgelegt in Aus dem Leben